Rezension von Prof. Dr. Jürgen Zwernemann

Knöpfli, Hans, Grasland – eine afrikanische Kultur.

Wuppertal: Peter Hammer Verlag 2008.

328 Seiten, 1 Karte, 700 meist farbige Abb., gebunden.

Preis: € 59,– / CHF 89.-

 

Nach einer Ausbildung und mehreren Berufsjahren als Möbelschreiner studierte Hans Knöpfli evangelische Theologie, absolvierte das obligatorische Vikariat und wurde zum Pfarrer ordiniert. Als Mitglied der Basler Mission arbeitete er zwischen 1956 und 1993 im Westkameruner Grasland als Pfarrer, Schulverwalter und Handwerker. In allen drei Funktionen setzte er sich mit den Lebensbedingungen und der großartigen Kultur des Graslandes auseinander. Dabei bildeten sich zwei Schwerpunkte heraus, nämlich traditionelles Handwerk und Religion – beides im weitesten Sinne. Seine Erfahrungen und Kenntnisse stellt er in diesem prächtigen Bildband vor.

Einer ganz knappen Einführung über das soziale Gefüge folgt der erste große Abschnitt, welcher der Gebrauchskunst und dem Handwerk im Alltag gewidmet ist. Damit ist schon angedeutet, dass der Verfasser die Herstellungstechniken studiert hat und nicht nur die fertigen Produkte vorstellt. Auch die Vermarktung wird einbezogen. Im Gegensatz zu früher hat ein Missionar der Gegenwart nicht in erster Linie Bekehrungen vorzunehmen. Vielmehr ist er eher Entwicklungshelfer, und zwar als Theologe genauso gut wie in allen anderen Bereichen, nämlich im Schulwesen und – bei Hans Knöpflis Hintergrund nicht verwunderlich – als Förderer und Anreger des traditionellen Handwerks.

Der zweite große Abschnitt des Werkes ist der Hofkunst gewidmet. Hier sind die traditionelle Architektur, Holzschnitzerei, Gelbguss sowie die Herstellung von Trinkhörnern und Königstüchern einbegriffen. Auch Insignien und Symbolik kommen nicht zu kurz.

Sowohl unter materiellen Aspekten als auch im Zusammenhang mit Kunst und Religion wird die Musik der Graslandbewohner vorgestellt. Musik hat eine soziale Funktion und ist meines Erachtens in erster Linie in rituelle Handlungen eingebunden. Diesem Teil wird ein kurzer Abschnitt über Spiele und Spielsachen angefügt. Spiele und Spielzeug stehen im Zusammenhang mit sozialem Leben.

Der letzte Teil des Werkes ist traditioneller Religion, Sitten und Bräuchen gewidmet. Hier werden Mythologie und Glaube, Toten- und Trauerrituale, Masken und weitere Rituale vorgestellt.

Der Verfasser konnte für dieses Werk über das westliche Grasland von Kamerun auf seine vierteilige Originaldokumentation in englischer Sprache zurückgreifen, die zwischen 1997 und 2003 erschien. Den in der Bibliografie zitierten Titeln dieser Arbeiten entnehme ich, dass das hier besprochene Werk thematisch darüber hinausgeht. Das Buch hat mich von Anfang an so gefesselt, dass ich es mit großem Gewinn in einem Zuge durchgelesen habe. Von Kapitel zu Kapitel habe ich mehr bedauert, dass Hans Knöpflis Arbeit in der Zeit meines aktiven Museumsdienstes – speziell während meiner Stuttgarter Jahre (1960 – 1970) – noch nicht existiert hat. Vieles hätte ich besser interpretieren – und verstehen – können. Meinen jüngeren Kollegen kann ich das Buch nur wärmstens empfehlen. In keinem Museum, das Graslandbestände hat, sollte es fehlen. Es konnte wohl auch nur von jemandem geschrieben werden, der, wie Hans Knöpfli, Jahrzehnte mit den Menschen dieser Kultur zusammengelebt hat.

Jürgen Zwernemann, Prof. Dr., Seevetal/D

14. Juli 2010